SHORTFACTS
"Eine Holocaustüberlebende erzählt ihre Geschichte"academy films präsentiert einen Film von Marceline Loridan-Ivens
BIRKENAU UND ROSENFELD
Deutschland 2002, 92 Min., eine französisch-deutsch-polnische Koproduktion
REGIE, BUCH: Marceline Loridan-Ivens
PRODUKTION: Mascaret Films Capi Films P'Artisan Filmproduktion Heritage Films
KAMERA: Emmanuel Machuel
HERSTELLUNGSLEITUNG: Michel Fauré, Dieter Horres
KOPRODUKTION: P'Artisan Filmproduktion Peter Sehr und Marie Noëlle
BESETZUNG:
Anouk Aimée, August Diehl, Zbigniew Zamachowski, uvm.
PRÄDIKAT: WERTVOLL
PREISE
Internationales Filmfestival Jerusalem -Bester Film
Der Bernhard Wicki Filmpreis - Die Brücke 2003 Der Friedenspreis des Deutschen Films geht an Marceline Loridan Ivens für den Film „Birkenau und Rosenfeld“
Der Ehrenpreis des Bernhard Wicki Filmpreis – Die Brücke 2003 Der Friedenspreis des Deutschen Films geht an Anouk Aimée für ihre herausragende schauspielerische Leistung.
Trotz großer Bemühungen wurde dieser Film "Zum Gedenken an den 60. Jahrestag der Befreiung der Nazi-Konzentrationslager" nicht ein einziges Mal von Kinos gebucht oder von Institutionen empfohlen. Dafür wurden Filme wie "Der Untergang" oder "Der neunte Tag" millionenfach angeschaut, empfohlen und gelobt. Eine wahre Geschichte von Holocaust Opfern hat gegen einen Hitler oder Nazi-Kostümfilm keine Chance...
ARD-TAGESTHEMEN 15. APRIL 2004 ZUR PREMIERE IN BERLIN FILMBEITRAG MIT EINEM INTERVIEW MIT MARCELINE LORIDAN-IVENS
SYNOPSIS
Kurzfassung:
Myriam (Anouk Aimée), Überlebende des KZ Auschwitz-Birkenau, nimmt an einem Treffen von KZ-Überlebende teil. Bei einer Verlosung gewinnt sie ein Flugticket nach Krakau. Die Rückkehr nach Birkenau wird für Myriam eine Pilgerfahrt, die verdrängte Erinnerungen wachruft: ihr Vater, mit dem sie als 14jährige in das KZ kam, ist nicht zurückgekehrt. Als Myriam ihre Erkundung Birkenaus fortsetzt, trifft sie dabei auf einen jungen deutschen Fotografen names Oskar (August Diehl), der sich zur Aufgabe gestellt hat, "das Unsichtbare zu zeigen", das sich in den Ruinen des KZ verbirgt. Gemeinsam durchstreifen sie das Gelände - sie zeigt ihm die Baracken, die Gaskammern, die Verbrennungsöfen. (Stadt Dachau "Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus" 27. Januar 2005)
Langfassung:
Paris. Myriam (Anouk Aimée), die viele Jahre lang als Filmemacherin und Reporterin in der ganzen Welt unterwegs war, nimmt an einem Treffen von KZ- Überlebenden teil. Bei diesem bewegenden Wiedersehen, trifft sie einige ihrer Leidensgenossinnen von damals. Myriam gewinnt bei einer Verlosung den ersten Preis: ein Flugticket nach Krakau. Die Rückkehr nach Birkenau ist für Myriam eine Pilgerfahrt, die sie nach langer Vorbereitungszeit ganz bewusst allein antritt. Als sie das ehemalige Konzentrationslager wieder betritt, löst das Emotionen aus, die sie lange verdrängt hatte. Myriam hat zwar überlebt, aber ihr Vater, mit dem sie ins KZ kam, als sie vierzehn war, ist nicht zurückgekehrt. Den Großteil derer, mit denen sie diese zwei Jahre in der Hölle verbracht hat, hat sie verloren. Schmerzliche Erinnerungen stürzen mit aller Kraft auf Myriam ein. Die Baracke, in der sie untergebracht war, steht noch, sogar ihre Koje ist noch da. Am frühen Morgen setzt Myriam ihre Erkundung Birkenaus fort. Sie trifft einen jungen Deutschen Fotografen namens Oskar (August Diehl), der sich zur Aufgabe gestellt hat, "das Unsichtbare zu zeigen", das sich in den Ruinen des KZ verbirgt. Oskar bittet sie, ihm dabei zu helfen, die Spuren zu entschlüsseln und seinen Blick zu schärfen. Zunächst sträubt Myriam sich dagegen. Aber angesichts der rührenden Hartnäckigkeit, mit der dieser junge Mann sein Ziel verfolgt, gibt sie schließlich seiner Bitte nach. Gemeinsam durchstreifen sie nun das KZ, sie zeigt ihm die Baracken, die Gaskammern und die Verbrennungsöfen. Sie kommen schließlich an einen der schrecklichsten Orte des Lagers: die Ruinen der Krematorien 4 und 5, wo im Sommer 1944 Hunderttausende Juden und Sinti & Roma nach ihrer Ermordung in den Gaskammern verbrannt wurden. Myriam erzählt Oskar von jenem Geheimnis, das ihr keine Ruhe lässt: Sie soll an der Aushebung von Gruben beteiligt gewesen sein, in denen Leichen verbrannt wurden, als die Öfen nicht ausreichten.
KOMMENTAR MARCELINE LORIDAN-IVENS
Dieser Film erzählt von Myriam, einer französischen Jüdin polnischer Herkunft, die fünfzig Jahre nach der Befreiung in das Konzentrationslager nach Birkenau zurückkehrt. Diese Überlebende bin ich, Marceline Rozenberg, verhaftet 1943, eingesperrt zunächst in Marseille, später Drancy, dann mit Transport Nr. 71 nach Auschwitz-Birkenau überführt und befreit im Mai 1945 in Theresienstadt. Von den 76.500 Menschen, darunter 11.000 Kinder, die von Drancy aus ins KZ kamen, kehrten nur 2.500 zurück. Wie viele davon leben heute noch? Primo Levi hat sein erstes Buch "Ist das ein Mensch?" schon im Jahr seiner Rückkehr nach Italien geschrieben. Ich dagegen brauchte vierzig Jahre, um das Drehbuch dieses Films zu Papier zu bringen, und es fiel mir immer noch nicht leicht. In dem Drehbuch geht es nicht darum, die Vergangenheit wieder lebendig werden zu lassen (wer könnte das schon?), sondern der Suche im Erinnern und der Arbeit des Gedächtnisses ihren Stellenwert einzuräumen. Weshalb so spät? Wenn ich so viele Jahre habe vergehen lassen, um endlich meinen eigenen Beitrag zum lebendigen Shoah-Gedenken zu leisten, das aus den Erinnerungen derer besteht, die überlebt haben, dann ganz einfach deshalb, weil ich während all dieser Zeit nicht dazu fähig war. Als Privatperson ging es mir wie vielen anderen Überlebenden: Das, was ich durch mein Zeugnis hätte weitergeben können, erschien mir dermaßen lächerlich im Vergleich zur erlebten Wirklichkeit, dass ich lieber schweigen wollte. Aber als Künstlerin weiß ich heute, dass ich trotz meiner schrecklichen Angst, dass es mir vielleicht doch an den nötigen Fähigkeiten mangelt, einfach dazu verpflichtet bin, mich zu Wort zu melden und mich mit meiner Stimme in den Chor derer einzureihen, die den Mut haben zu sprechen, bevor mit dem Verschwinden des letzten Überlebenden die Konzentrationslager endgültig in den Bereich der Historie eintauchen - oder in die Nebel des Vergessens. Weshalb die Spielfilmform? Meine Sprache, mein Ausdrucksmittel ist, nach dreißig Jahren enger Zusammenarbeit mit Joris Ivens, das Kino. Gemeinsam mit Joris habe ich die verschiedensten Wege des Dokumentarfilms beschritten, bis hin zu seinem letzten Film, unserem gemeinsamen Werk "Eine Geschichte vom Wind", wo wir die Grenzen zwischen Dokumentation und Fiktion, Realität und Fantasie ganz bewusst gesprengt haben: Der "Bericht" über den alten Filmemacher auf der Suche nach dem Unmöglichen - nämlich den Wind zu filmen - verwandelt sich in ein Märchen, in dem der Atem des Lebens und der Atem der Geschichte im gleichen kosmischen und universellen Prinzip ineinander übergehen. Für "Birkenau und Rosenfeld" brauche ich die Doppellung der Filmemacherin, die ihre eigene Geschichte erzählt, in der Person der Schauspielerin, die sie verkörpert und ihr Ausdruck verleiht, eine Doppellung, die nur die Fiktion erlaubt. Ich möchte, dass man an ihr die Gefühle und Gedanken ablesen kann, die die Ruinen von Birkenau bei meiner ersten Rückkehr dorthin in mir hervorgerufen haben.
Es gibt drei Hauptfiguren in diesem Film:
Myriam, die Überlebende, auf der Suche nach unerträglichen und unaussprechlichen Erinnerungen; Oskar, der junge deutsche Fotograf, der sich mit großer Ernsthaftigkeit und ganzem Herzen seiner Aufgabe, sich der Verpflichtung zur Erinnerung zu stellen, verschrieben hat; und das KZ selbst, Birkenau, mit seinen Stacheldrahtzäunen, seinen Baracken, seinen Wachttürmen und seinen Bäumen, jenen Birken, die direkt neben den Ruinen der Gaskammern und Verbrennungsöfen gewachsen sind und die alles gesehen haben... . Die beiden ersten Figuren werden die Dritte befragen. Das Gestern, Heute und Morgen, zugleich grundlegend voneinander verschieden und doch Träger einer winzigen, grenzenlosen Hoffnung. Eines nicht mehr allzu fernen Tages wird niemand mehr Birkenau oder eines der anderen Vernichtungslager des Zweiten Weltkriegs mit den Augen Myriams betrachten können. Welche Vision, welche Vorstellung mögen künftige Generationen davon haben?
Marceline Loridan-Ivens
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Partisan Film
Anouk Aimee
Kino-Zeit Kritik
Buchtip: Auschwitz-Birkenau Eine Hommage an Marceline Loridan-Ivens
PRESSESTIMMEN
FAZ 15.04.2004
Die Schale der Erinnerung
„Birkenau und Rosenfeld“, ein Film von Marceline Loridan-Ivens
„Ihr seid keine Gespenster, Françoise!“ Im Halbdunkel der Baracken des Vernichtungslagers Ausch-witz-Birkenau steht Myriam. Sie geht an den Verschlägen vorbei und nennt die Namen ihrer Gefähr-tinnen, Rachel, Claudine, hört ihre Stimmen und ruft ihre Gesichter wach. Der leere Raum belebt sich für einen Augenblick, und alle sind wieder da, um sie herum, Myriam. Nah an der Wand verschmilzt sie mit dem Schwarz der Baracke, als sich zwei andere Besucher darin flüchtig umschauen und be-merken, es sei ja gar nichts mehr da, alles leer, gerade so, als hätten sie Grund, beleidigt zu sein, dass die Geschichte ihnen das Grauen nicht besser vorzuführen versteht. Wenn sie wüssten.
Myriam, die auf dem jährlichen Treffen der Deportierten in Paris eine Reise nach Krakau gewonnen hat und nun zum ersten Mal nach fünfzig Jahren wieder nach Polen, nach Auschwitz, kommt, hat zu-vor in den Straßen der Krakauer Altstadt ein altes jüdisches Café entdeckt, das Alef. Zögernd, ergrif-fen – man glaubt, ihr Herz schlagen zu hören – betritt sie das Café. Fragt den Kellner, ob dies ein jüdisches Café sei. Ja, sicher. Und ob er selbst, wenn sie fragen dürfe, auch Jude sei? Nein, Pole. Und Katholik, bellt er. Es gebe keine Juden hier. Das Café sei für die Juden, die aus Amerika hierher kämen.
Ist das genug Grauen, Touristen der Erinnerung? Aber über die Straße, da gebe es noch ein weiteres jüdisches Café „Alef“. Da sitze immer ein wirklicher Jude, Godek, den solle sie doch fragen. Godek, einer der wenigen Juden in Krakau, hat sich auf die Genealogie der ermordeten jüdischen Familien spezialisiert und verdient sich als Fremdenführer in die Vergangenheiten der Familien seinen Lebens-unterhalt. Godek weiß, wo Myriams Familie wohnte, bevor sie nach Paris auswanderte. Sie läuten an der Tür der Wohnung - nein, es geht nicht um Entschädigungsansprüche, nur, die Familie hat hier gewohnt, ihr Großvater Isaac Rosenfeld. Ein Foto zeigt ihn im Wohnzimmer, neben ihm eine Vase auf dem Buffet.
Diese Vase steht noch da – solche Vasen werden in Polen viel hergestellt. Die neue Hausbesitzerin schaut zur Vase, und für zwei Sekunden glaubt man, sie wolle Myriam die Vase schenken. Sie tut es nicht. Es gibt keine Geste, die hinüberreicht über diesen Abgrund, der das eine vom anderen Leben trennt. Und trotzdem wird beides noch zusammen gelebt, noch. Die Erinnerungen werden heimatlos, ortlos, auch wenn Historiker genau sagen können, wo sich dies oder jenes abgespielt hat. Myriam, die Überlebende, wird bald von einem jungen Deutschen auf ihren Gängen durch das Lager begleitet, der manches besser weiß, aber nicht versteht, wenn Myriam sagt: Und wenn ich mich nicht erinnern will?
„Birkenau und Rosenfeld“, der beeindruckende Film von Marceline Loridan-Ivens, der im vergangenen Jahr auf verschiedenen Festivals zu sehen war und mit dem Friedenspreis des deutschen Films 2003 ausgezeichnet wurde, kommt nun in die deutschen Kinos. Er ist ein Glücksfall. Wie eine große Seifen-blase hält er, was vom Gestern übrig blieb, so lange, bis es zerplatzt. Man sieht, wie viel Kraft es kos-tet, diese hauchdünne Schale zu tragen und zu ertragen, wie sie immer durchsichtiger wird. Es gibt kaum eine präzisere und zugleich ergreifendere Darstellung davon, wie die fragile Erinnerung der einen zur robusten Geschichte der anderen wird.
Der Regisseurin Marceline Loridan-Ivens, die selbst nach Auschwitz deportiert wurde, ist mit ihrem Film etwas Seltenes gelungen: Sie hat die zwei Welten der Geschichte und der Erinnerung zerlegt und doch ineinandergefügt, indem sie ihren Spielfilm wie einen Dokumentarfilm aussehen lässt. Oder um-gekehrt: Ihr Dokumentarfilm sieht wie ein Spielfilm aus. Man scheut sich deshalb fast zu sagen, dass Myriam von Anouk Aimée und der junge Deutsche von August Diehl gespielt werden. Denn was heißt hier: gespielt? Beide verkörpern in dem Film, was sie spielen. Man braucht das Können Anouk Aimées sicher nicht mehr eigens hervorzuheben, aber es ist doch einzigartig, wie sie hier auf unaufdringliche Weise den Zuschauer erfasst und mit sich nimmt und ahnen lässt, dass man nicht von Erinnerung reden sollte, wenn man keine hat. Es ist viel, wenn man gedenken kann.
MICHAEL JEISMANN
Der Bernhard Wicki Filmpreis – Die Brücke 2003
Der Friedenspreis des Deutschen Films geht an Marceline Loridan Ivens für den Film „Birkenau und Rosenfeld“
Der Ehrenpreis des Bernhard Wicki Filmpreis – Die Brücke 2003 Der Friedenspreis des Deutschen Films geht an Anouk Aimée für ihre herausragende schauspielerische Leistung.
„Aber im zwanzigsten Jahrhundert, wenn du dich nicht mit den Weltproblemen beschäftigst, was für ein Künstler bist du dann.“ Joris Ivens.
Im Juni 1989 stirbt der berühmte Dokumentarfilmer Joris Ivens, mit dem Marceline Loridan-Ivens über Jahrzehnte die gemeinsamen Filme realisiert hatte. Auf seinem Totenbett nimmt er seiner Frau das Versprechen ab, ihre eigene Geschichte zu verfilmen.
1928 wird Marceline Rozenberg geboren. Zwischen 1940 und 1943 leben die Rozenbergs in einem kleinen provenzalischen Dorf im Vancluse. Während dieser Zeit nimmt die ganz Familie an der Resistance teil. Mit ihrem Vater wird sie von der französischen Polizei und der Gestapo verhaftet. Nach Gefangenschaft in Avignon und Marseille werden sie in ein Sammellager in der Nähe von Paris verlegt. Von dort folgt die Deportierung nach Auschwitz – Birkenau. Im Juli 1945 kehrt sie nach Frankreich zurück – ohne den Vater.
„Dreißig Jahre lang habe ich nur an den Krieg gedacht“, sagte Marceline Loridan-Ivens in den achtziger Jahren. „Der Grund war meine eigene Geschichte, war der zweite Weltkrieg, waren die Konzentrationslager. Ich war davon so stark geprägt, dass ich nur leben konnte in Opposition zur Welt. Es gibt Zeiten, in denen man sich als Teil der Geschichte erlebt.
„Der Tod ist ein Meister aus Deutschland“ schreibt Paul Celan, der dem Holocaust entkommen war, in einem seiner Gedichte. Es war die Entrechtung und der Genozid eines Volkes, das zum Tode verurteilt wurde, weil es als Verbrechen galt, anderer rassischer und religiöser Herkunft zu sein. Juden und andere Minderheiten, Menschen anderer politischer Denkungsart wurden systematisch gemordet. Orte mit Namen Treblinka, Auschwitz, Sobibór und Majdanek sind zu Synonymen für Bestialität, Folter und Morden geworden und lassen uns verstummen.
„Wenn ich so viele Jahre habe vergehen lassen, um endlich meinen eigenen Beitrag zum lebendigen Shoah- Gedenken zu leisten, das aus den Erinnerungen derer besteht, die überlebt haben, dann ganz einfach deshalb, weil ich während dieser Zeit nicht dazu fähig war. Das, was ich durch mein Zeugnis hätte weitergeben können, erschien mir dermaßen lächerlich im Vergleich zur erlebten Wirklichkeit, dass ich lieber schweigen wollte“. So Marceline Loridan Ivens. Als Bernhard Wicki am Ende seines Lebens nach der Zeit im KZ Sachsenhausen befragt wird, schweigt er. Er schweigt eine ganze Tonbandaufzeichnung lang. Es sind die zugefügten, nie geheilten Verletzungen, außerhalb jeglicher Vorstellung, die sprachlos machen. „Primo Levi hat sein erstes Buch „Ist das ein Mensch?“ schon im Jahr seiner Rückkehr nach Italien geschrieben. Ich dagegen brauchte vierzig Jahre, um das Drehbuch dieses Films zu Papier zu bringen – und es fiel mir immer noch nicht leicht“, sagt Marceline Loridan-Ivens weiter. „In dem Drehbuch geht es mir nicht darum, die Vergangenheit wieder lebendig werden zu lassen (wer könnte das schon), sondern der Suche im Erinnern seinen Stellenwert einzuräumen.“
Sieben Jahre kämpfte sie darum, ihren Erinnerungsgang in die schmerzvolle Vergangenheit zu finanzieren und schließlich mit Hilfe ihrer Co- Produzenten Peter Sehr und Marie Noëlle, dem Bayerischen Rundfunk – Gabriela Sperl und dem Film-Fernseh-Fonds Bayern zu realisieren.
Eine Deportierte kehrt zurück an den Ort ihres Leidens, um das Erlebte filmisch aufzuarbeiten und es gelingt ihr, mit „Birkenau und Rosenfeld“ das Ungeheuerliche künstlerisch zu bewältigen.
Über den Weg einer literarischen Filmerzählung nähert sie sich zögernd, ja beinahe widerstrebend dem Grauen, das außerhalb alles Sagbaren zu sein scheint. Zusammen mit ihrem hervorragenden Kameramann Emmanuel Machuel setzt sie das Unvorstellbare in eine Bildsprache der Poesie um, die zuweilen an die „Poesie der Grausamkeit“ in Bernhard Wickis Filmen erinnert und die im krassen Gegensatz zu dem imaginären Erleben der damaligen Wirklichkeit zu stehen scheint. Dabei kommt der Film ohne jegliche Rückblenden aus: eine Annäherung an das grausam Gelebte im Hier und Jetzt.
„Die ehemaligen Deportierten kommen nicht zurück, um Zeugnis abzulegen“, sagt Myriam, wie sich Marceline in ihrer Geschichte nennt, zu einem jungen Deutschen. „Sie sind krank vor Leiden wie ich, sie haben Angst hierher zurückzukommen, wie ich“.
Der junge Deutsche ist August Diehl. Mit großer schauspielerischer Genauigkeit spielt er den Photographen Oskar. Gezogen von einer inneren Verpflichtung, sich der Vergangenheit in seiner Familie stellen zu müssen, sucht er eine Antwort auf das Unerhörte, das Unfassbare, dass rechtschaffene Familienväter sich zu Werkzeugen einer öffentlichen Mordmaschinerie machen ließen. Zurückhaltend, fast scheu nähert er sich Myriam.
Und Myriam ist die einzigartige Anouk Aimée. Die Kraft der Bilder vereint sich mit der Kraft ihrer Darstellung zu einer suggestiven Wucht von zwingender Wirkung.
Jede Phase ihres Kampfes zwischen der Furcht, die Erinnerung würde alles Entsetzen der Entmenschlichung auferstehen lassen, und dem Verlangen nach Erlösung, die sie sich aus der wiedererweckten Erinnerung erhofft, macht diese große Schauspielerin spürbar. Ja sie zwingt uns, ihre Leidensstationen auf ihren Kalvarienberg mitzuleben. Und das Lager, dessen Begegnung sie scheut, wird ihr Gefährte. Trotzig und allmählich nimmt sie es in Besitz, und auf unvergleichliche Weise macht sie das Unsichtbare sichtbar:
Plötzlich füllt sich das Lager. Plötzlich sehen wir sie, die gedemütigten kahlgeschorenen Frauen, die Todesangst in sich und den alltäglichen Tod vor Augen.
Das Unfassbare macht sie fassbar:
Verachtung für die Peiniger, wenn sie den Wachturm hinaufsteigt, gleichsam ein später bitterer Sieg, durch nichts weiter errungen, als dass sie überlebt hat.
Das wahrhaft Entsetzliche aber ihres verhängnisvollen Schicksals offenbart sie an einem Birken beschatteten Teich. Ihre Hand gleitet ins schlammige Wasser, und diese Hand schöpft schwarze Asche – Asche von verbrannten Menschen. Es ist der Augenblick tiefer Scham, die sie empfindet und auf uns überträgt. Scham über die eigene Ohnmacht, zu der sie verdammt war. „Das ist es, was uns, die wir diesen Bestien entkommen sind, nicht mehr loslässt“, sagte Bernhard Wicki einmal, „die Scham der eigenen Ohnmacht und die damit vermeintliche Schuld“.
Und Myriam – Anouk Aimée – wählt eine Annäherung an die Bereitschaft zur Versöhnung. Die Brücke zur Versöhnung ist die Liebe. „Während langer Zeit habe ich gedacht, dass man Gewalt mit Gewalt beantworten muss. Ich wollte nicht mehr hierher zurückkommen. Das war völlig unmöglich,“ sagt Myriam. „Und was hat sich verändert?“, fragt Oskar, der junge Deutsche. „Ich hab einen Mann getroffen, der mich liebte“, erwidert sie.
Für Anouk Aimée war die Versöhnung, die Versöhnung mit Deutschland, der Impetus für die Rolle der Myriam. Diesen Weg zur Versöhnung, den uns diese schöne, charismatische Schauspielerin mitgehen lässt, werden wir so leicht nicht mehr vergessen können.
„Wir arbeiten gegen das Vergessen“, war ein Diktum von Bernhard Wicki.
Dieser Film ist ein wichtiger Film in unserer Zeit, der zum Wachsein mahnt. Seine Botschaft ist Hoffnung, die Vision der Versöhnung in unserer Welt.
Ich danke Ihnen
Elisabeth Wicki-Endriss Laudatio -
International Herald Tribune Herald Tribune PARIS.
PARIS. Certain films are extraordinary ventures, alive with hidden history. You can't just look at them, you have to divine the secret life behind their long, painful making. Marceline Loridan-Ivens's first feature, „La Petite Prairie aux Bouleaux” (The Little Meadow of Birch Trees) is such a film. At 75, she is both the author and the heroine, with Anouk Aimée taking direction from her and playing a woman named Myriam who revisits the scene of her teenage years.
„Little meadow of birch trees” is the translation of „Birkenau”, the camp neighboring Auschwitz in Poland where Loridan-Ivens was interned 60 years ago. „Birkenau was in the country,” she says. „I never saw Auschwitz – that's where they have the museum.”
The camera wanders through green meadow, where the signs of violence and extermination have been stamped out. Myriam forces the gate to the camp at Birkenau, her old home. She explores the park, listens to singing birds. „When we were there, there was no bird song,” the director says, „the meadow wasn't green and the birches weren't silver; they were stunted.”
Loridan-Ivens, a minute, intense woman with a crown of red hair, wears black with flair, and a set of superb amber beads she says she has been wearing forever. Her bursts of laughter are almost as surprising as the bird song in her film. She knows she has a wicked laugh and has been called a witch. She is intimidating.
She talks about the past without delving into the multiple tragedies of her life. Forty members of her family died in the camps; her father, interned with her at Birkenau, did not survive. „I thought about making this movie for many years, and when I finally made it, I operated on intuition,” she says.
Several remarkable films have been made about the camps, such as Alain Resnais's „Nuit et Brouillard” (Night and Fog) and Claude Lanzmann's „Shoah”, documentaries about extermination. Loridan-Iven's movie fits into no category; it has no voice-over, archive footing, interviews or flashbacks. There have also been popular dramas and comedies about those terrible years. Loridan-Ivens likes Lubitch's „To Be or Not to Be”, but Roberto Benigni's „La Vita e Bella” (Life Is Beautiful) did not make her laugh. „It's built on a lie told to a child, a fake fairy tale,” she shudders.
„La Petite Prairie” is fiction that sticks to a reality without tears. But there is bitter nostalgia. Myriam breaks into Birkenau like an outlaw, she trails her fingers through a stream that is clogged with black cinders, she squats on hallowed ground, desecrating it. „She comes to win back her energy, to triumph over the camp,” says Loridan-Ivens.
And when Myriam feels lost, she calls old friends in Paris. For there are things she has forgotten: She can't remember exactly where they were forced to bury the bodies of fellow inmates, and this haunts her.
„That's how memory behaves,” the director says. „We all hide things from ourselves; we suffer both from remembering and forgetting the past. I was caught in that painful contradiction: I had to remember and I had to forget. I had to put things away where I couldn't find them, or I wouldn't have been able to survive.”
Marceline Rosenberg was 15, one of five children living with her parents in Bollène, a pretty village in the Vaucluse, when the French Milice, accompanied by the Gestapo, came to arrest the family. They had just gotten up from the dinner table when the soldiers came and counted the dishes in the sink. They went looking for the missing members in the park.
Marceline and her father were taken to jail in Avignon, then Marseille, before being shipped to Drancy and then Auschwitz-Birkenau. She returned to France when she was 17, and for most of her adult life, she traveled all over the world, but she was unable to revisit the village. „I don't like the south,” she says.
She could not return to Bollène, but she could return to Auschwitz. „This is the place where I was loved the most,” is Myriam's most surprising line in the film. You think you didn't hear it right.
„People are surprised,” says Loridan-Ivens, „but I put that line in because even in catastrophe, there's love, closeness and solidarity. Hope is as human as violence. The girls weren't always nice to each other, but they shared suffering.”
She thinks that most people don't understand horror. „They think it should be simple, sheer horror, but I lived this in my flesh, this contradiction – the nostalgia for the friendship we shared during that terrible time.”
„I remember an interview of two young girls, 10 years ago, when the Iraqis hunted down the Kurds. 'How do you manage to survive?' asked the journalist. 'We tell each other our dreams,' they answered.”
Loridan-Ivens, who was married to the documentary filmmaker Joris Ivens, has led the life of a militant. Her first film, made with Jean-Pierre Sergent in 1962, was „Algerie Année Zero”. „So you see, I was always into war movies,” she says. In 1963, she met Ivens, 30 years her elder. His photo sits on a table behind her, a splendid face, crowned with white hair and wild brows. „Superb,” she concedes. „We loved each other tremendously, and we worked together. We had no children – after the camps, I didn't want children.”
She had the idea of making her own film 30 years ago, and she knows it would have been a different film if she had made it back then. „It needed a certain maturity, an accumulation of life experience with Joris. We met, we fell in love and we never left each other. We made movies in North Vietnam, in China during the Cultural Revolution, in Laos, all over.” Together they made his last film, „Une Histoire du Vent”, in China in 1988, when he was 90.
Ivens died in 1989. „His death threw me into a panic; I've not done with mourning.” Then, in 1991, she was invited to take „Une Histoire du Vent” to a festival in Poland. „I said I would only come if I could go to Birkenau. Once there, I felt the strength to make this film.”
She wrote the script with Sergent and Elisabeth Prasetyo. „Old partners,” she calls them, „who accept me the way I am. I had to go back to Birkenau with them. It took time; I had to cut away. And I had to be alone. In fact, I could only make the movie once Joris was no longer there.” She hesitates. „Yes, I think so. I had to grow up, I had to learn by myself. Because he was my security and I lost him. I had to find my own way through terrible insecurity, to defrost.”
Ivens is in the incessant wind that stirs the birches and haunts „La Petite Prairie”. His presence and his absence make the movie mysterious, not quite fiction, almost a surreal documentary. „Images of the camps have become stereotyped in the minds of at least two generations,” she says. „It's up to today's audience to do their work, to see between the emptiness that I show and the images in their heads. I had to make the camp come to life the way it is today: the vanished barracks, the green park, the healthy birches; nature that has become more beautiful, nourished by the corpses buried there.”
Nobody has shot a feature film at Birkenau. Loridan-Ivens got permission. The shooting was intense, with a small cast and crew over three weeks. Anouk Aimée stepped in when Jeanne Moreau, initially cast in the role, left. „Jeanne helped on the dialogues, but when she couldn't do the part I thought of Anouk, and she is splendid,” Loridan-Ivens says. „She never looks her age in real life, she's naturally beautiful.”
„Of course there was pain during the shooting. I had to be strong, and not show it to anybody. After the first days, it got better. None of what transpired could be theorized. We had to go to the end of our honesty and integrity. I think the film has this integrity that makes up the magic. It has the style it had to have – a pure style.”
She went back to Bollène to see her father's name inscribed on the Monument to the Dead. „The house where we lived is abandoned, as if a malediction visited it. It was a house with 18 rooms, a small château, with a park. We'll never know who denounced us – actually, we knew, but never did anything about it. I don't go south unless I have to. I don't want to see Provence – it's over for me.”
International Herald Tribune
Le Monde, 09.07.2002Marceline Loridan-Ivens findet in Auschwitz ihr Gedächtnis wieder
Sie folgte ihrem Mann, dem berühmten Dokumentarfilmer Joris Ivens, in all seinen Abenteuern vom Krieg in Vietnam bis nach China. Heute kehrt sie, unterstützt von einem internationalen Team, an den Ort ihrer Deportation, Birkenau, zurück, um ihren ersten Spielfilm zu drehen.
Innen/Tag - Auschwitz 2
In diesem Gebäude wurden die Deportierten direkt nach deren Ankunft ihrer Kleidung beraubt, tätowiert, geduscht und kahlgeschoren. Nach Stunden des Wartens gab man ihnen ein Paar Holzschuhe und einen gestreiften Anzug.
Im Hinterzimmer ist es schon dunkel. Auf der großen schwarzen Wand, im Licht der Scheinwerfer Hunderte von Familienfotos der Deportierten, die erst kürzlich vom Museum in Auschwitz exhumiert worden sind. Das kleine Team von 'Birkenau und Rosenfeld', erster Spielfilm von Marceline Loridan-Ivens, hält eine Schweigeminute. Das ist die letzte Tonaufnahme des Drehtages. Ein seltsam harmonisches Andenken an die zweieinhalb Millionen Leichen, die vor sechzig Jahren an diesem Ort verschwunden sind.
Für die Filmregisseurin sind diese verschwundenen Deportierten immer noch da: "Für mich ist das Lager voll". Diese kleine, rothaarige Frau, in der sich Ernst mit Freundlichkeit und bitterem Humor vermischen, ist im Jahre 1944 als Fünfzehnjährige nach Auschwitz deportiert worden und hier fast ein Jahr geblieben. Sie hat die Revolte gegen die Sonderkommandos miterlebt. Sie erwähnt auch die Bombardierung der Waffenfabrik in der Nachbarschaft ("Eigentlich wollten wir, dass sie die Bomben auf uns schmeißen!"), ist sich aber nicht mehr ganz sicher, ob sie dabei war. Von Mengele "selektier", wird sie nach Bergen-Belsen transferiert. "Das allerwichtigste war, dass es dort kein Gas mehr gab." Von dort aus schickt man sie nach Leipzig, wo sie bis zur Befreiung in einer Fabrik arbeitet.
Angefangen mit dem Krieg in Vietnam bis zum "langen Marsch" von Mao in China, hat die Witwe von Joris Ivens mehr als zwanzig Jahre mit ihrem Mann Filme gemacht, um die Aktualität zu dokumentieren. Heute inszeniert sie ihren eigenen Film, eine sehr autobiographische Fiktion, in der Myriam, eine ehemalige Deportierte, gespielt von Anouk Aimée, nach Birkenau zurückkehrt: "Ich möchte mein Gedächtnis wiederfinden, um alles vergessen zu können." Vor Ort trifft sie Oskar, gespielt von August Diehl, einen jungen deutschen Photographen, der gekommen ist, um die Nazi-Vergangenheit seines Großvaters aufzudecken. "Ich hatte ein großes Verantwortungsgefühl", erklärt die Filmemacherin. "Es ist nötig, eine Spur zu hinterlassen, um zu verhindern, dass das Lager nach uns (den Überlebenden) für immer hoffnungslos leer bleibt."
Früher Tag - Innen/Tag - die Sauna
Während der Probe denkt Anouk Aimée laut nach: "Also erinnert sie sich nicht, und dann ganz plötzlich erinnert sie sich wieder an alles... ." Marceline Loridan- Ivens: "Ja, es ist der Ort, der ihre Erinnerungen wieder erweckt." A.A.: "Wie soll ich es spielen?" M. L.-I.: "Wie Du willst". Langsam schreitet die Schauspielerin einen langen, in gedämpftes, beinahe gespenstisches Licht eingetauchten Flur entlang. Sie hält an und fragt: "Ist es so in Ordnung?" M. L.-I. nickt ohne große Überzeugung, ein wenig abwesend. Sie scheint unsicher zu sein, was sie eigentlich von dieser Rolle erwartet. "Diese Ankunft war demütigend: Das ist, was man spüren soll." Ihre abstrakten Anweisungen unterstreichen, wie unmöglich es ist, ihre Erfahrungen zu teilen.
In der Tat drückt sie sich beim Dreh am häufigsten durch ihren ersten Regieassistenten (Fabien Vergez) aus und hält damit die Schauspielerin, die ihr intimstes Schicksal wiedergeben soll, auf eine unbedingt notwendige Distanz.
Am nächsten Tag - Außen/Tag - Teich in Birkenau
Die Asche der Ermordeten ruht am Grunde eines von Birken umrandeten Teiches nahe der Sauna. Myriam taucht ihre Hand ins Wasser und hebt sie voll von schwarzem Schlamm wieder heraus. Sie zeigt es Oskar. Dieser hört daraufhin auf, sie zu photographieren. Er senkt den Kopf. "Das ist vielleicht die schwierigste Szene, die ich spielen musste", vertraut der Schauspieler uns an.
Dieser strahlend schöne junge Mann nützt jede freie Minute, um sich in die Berichte der Zeitzeugen zu versenken (Auschwitz aus Sicht der SS), identifiziert sich aber nicht mit seiner Rolle.
"Ich empfinde keinerlei Schuld. Mein Großvater ist kein Nazi gewesen; ich bin diese Person im Film nicht. Ich muss frei sein, um diese Rolle spielen zu können."
Und doch hat er die Figur des Oskar mit seinen eigenen Emotionen, seiner unmittelbaren Erfahrung im Lager und seinen Gesprächen mit Marceline L.-I. genährt.
"Ich beispielsweise sehe nichts im Lager, und genauso geht es Oskar. In derselben Art und Weise wie Marceline L.-I. mich hat spüren lassen, dass das Lager voll ist, lässt es Myriam Oskar spüren. Man muss akzeptieren, dass es Parallelen gibt." "In der Tat", schmunzelt die Regisseurin, "Es war wichtig, dass der Schauspieler jung genug ist, um beeinflussbar und offen für neue Ideen zu sein."
Außen/Tag - eine Strasse hinterm Lager
Auf der Rückseite des Autos bereiten der Toningenieur (Paul Lainé) und der Kameramann (Emmanuel Machuel) eine Fahrt am Lager entlang vor. Von einer überdachten Bushaltestelle aus verfolgt die Regisseurin die Vorbereitungen. Umgeben von einem hingebungsvollen, engagierten Team vollführt sie ihre kathartische Arbeit.
Maria Skapska, zweite Regieassistentin, sorgt dafür, dass niemand ins Blickfeld kommt. Die zehn Filme, an denen die aus Krakau stammende gearbeitet hat, hatten nur mit zwei Themen zu tun: Dem KZ und dem Papst.
Sie hat die geschichtlichen Vorstellungen, die sie während der kommunistischen Ära bekommen hatte, korrigieren können. "Eine Geschichte, die die rote Armee verherrlicht, aber die nur zu 80% richtig sein sollte." Über die Bezichtigung des Antisemitismus, die ihren Landsmännern angelastet wird, gerät sie außer sich vor Wut. Sie betrachtet vor allem die Polen als Opfer, "(...)Als ob wir dafür verantwortlich gewesen wären, dass die Deutschen ihre Lager bei uns gebaut haben." Wie bei vielen anderen Drehkollegen ist ein Teil ihrer Familie während des Krieges durch Bombenangriffe umgekommen, in Dachau wie beispielweise ihr Onkel oder in den Lagern in Sibirien.
An der Bushaltestelle sitzt Peter Sehr, der deutsche Koproduzent des Filmes. "Seit 1968 ist dank der Arbeit von Günther Grass, von Fassbinder und vielen anderen eine Debatte möglich. Seitdem redet man mehr über diese Zeit und je mehr man darüber spricht, desto mehr muss man darüber nachdenken und es kommt einem vor, als ob es erst gestern gewesen wäre." Heute ist es schon erstaunlich, dass gewisse Ereignisse sich solchermaßen anhäufen: Der öffentliche Protest, ausgelöst durch antisemitische Äußerungen des Vizepräsidenten der FDP; die Polemik, die der Roman von Martin Walser über den jüdischen Kritiker Marcel Reich-Ranicki ausgelöst hat und der Film von Marceline Loridan-Ivens.
Während der Dreharbeiten zeigt die Großzügigkeit und die Dankbarkeit, die das französische Team animiert, dass diese Ausarbeitung auch in Frankreich, wo sie viel später angefangen hat, auf gutem Wege ist. Als ob die Zeit endlich gekommen sei, sich mit dieser verdrängten Vergangenheit zu konfrontieren und das "Gedächtnis wiederzufinden".
Isabelle Regnier
Ein Budget von 2,7 Millionen Euro
Die Drehbuchidee ist entstanden, nachdem Marceline Loridan-Ivens 1991 zum ersten Mal nach Birkenau zurückgekehrt ist. Aus praktischen und moralischen Gründen hat sich schnell eine französisch-deutsch-polnische Koproduktion angeboten. In Gang gekommen ist das Projekt nach und nach. "Erst im Herbst 2001", erklärt der ausführende Produzent Ariel Askenazi von Mascaret Films, "zehn Jahre nach der Ursprungsidee, sind künstlerische, finanzielle und technische Energien auf einen gemeinsamen Nenner gekommen. Alles ist mit dem Eintritt eines deutschen Fernsehsenders in Gang gekommen. Kurz darauf hat Anouk Aimée die Rolle zugesagt. Das Projekt war plötzlich machbar."
Losgetreten durch den Filmemacher und Produzenten Peter Sehr, hat diese erste Investition Tür und Tor für deutsche Fördermittel geöffnet. Von da an konnte man die Mittel von der europäischen Förderung Eurimages beantragen, und die Koproduzenten hatten eine bessere Ausgangslage, um Fördermittel aufzutreiben. Das Budget umfasst heute 2,7 Millionen Euro. Etwa die Hälfte setzt sich aus institutionellen Förderungen zusammen, der Rest beruft sich auf Beteiligungen vom öffentlichen polnischen Fernsehen und auf Alain Sarde, via Cinévalse. Bisher hat sich noch kein einziger französischer Sender an diesem Projekt beteiligen wollen.
The Holocaust Revisited: A Retrospective Analysis of the Auschwitz-Birkenau Extermination Complex
Dino A. Brugioni and Robert G. Poirer February 1979 The Ausehwitz-Birkenau Extermination Complex see: http://www.globalsecurity.org/intell/library/imint/holocaust.html
The Auschwitz-Birkenau complex had its origins in spring 1940. A concentration camp was organized in a former military camp in the suburbs of Oswiecim (Auschwitz), Poland. When the first trainload of German criminal prisoners arrived in June 1940, it marked the beginning of a system which would eventually total some 39 subsidiary camps and make the name of Auschwitz synonymous with terror and death.' In the fall of 1941, the Auschwitz concentration camp entered the most sinister phase of its expansion with the construction of a camp on the moors of Brzezinka (Birkenau).
Under cover of a prisoner of war camp, it would become a center for Sonderbehandlung, i.e., "Special Treatment," the Nazi codeword for extermination. During the following three and one-half years, an estimated two to three and one-half million people would meet their deaths on this remote Polish moor. Details of the horrors perpetrated at Auschwitz have been reported many times and at length. It is not our purpose to reiterate that type of detail but rather to see if any of that activity had been recorded by the World War II aerial reconnaissance cameras.
Auschwitz is located in a remote area southwest of Warsaw on the Krakow-to-Vienna rail line. We found no evidence of any Allied reconnaissance effort in the Auschwitz area prior to April 1944.
On 9 April 1944, an American reconnaissance aircraft approached the huge I. G. Farben facility for the first time. The format employed in the balance of this paper will present the background information for a particular topic and then a photographic analysis of the pertinent imagery. All available imagery on
Auschwitz acquired between 4 April 1944 and 21 January 1945 was examined. Background: Construction of the various Auschwitz camps began in spring 1940.
Auschwitz I, the so-called Main Camp, was operational by fall of that year. The development of Birkenau (Auschwitz II), began in fall 1941 with Russian prisoners of war as construction crews. The I. G. Farben industrial facility, referred to as "Buns" (Auschwitz III), was begun at Monowice in April 1941. Expansion of these facilities was virtually continuous until the evacuation of the area by the Nazis in January 1945. The operation of these vast petrochemical facilities was a joint SS and I. G. Farben venture. Farben had full access to a source of slave labor-prisoners from Auschwitz and local British prisoners of war-and the SS received the salaries paid their prisoners.
Crippling the German petrochemical production system was a high Allied priority, so the targeting of the Farben complex was inevitable. The late date of the reconnaissance effort is probably attributable to the plant's production status; it produced no significant amounts of fuel until 1944.
Another factor was probably the distance from Allied air bases-about 750 miles from England and 700 miles from Italy. Aerial Reconnaissance Imagery of Auschwitz Click on the small image to view a larger version The Auschwitz-Birkenau Complex, 26 June 1944 Full Res image 637Kb The I.G.Farben Complex, 26 June 1944 Full Res image 605Kb Photo Evidence: The mission of 4 April 1944 produced very little photographic coverage of the I. G. Farben complex. It was not until the 26 June 1944 mission (Photos 1 & IA) that an overall view of the complex, both as to extent and purpose, could be interpreted. For our study, however, even the partially successful mission of 4 April provided positive evidence.Birkenau Background: Birkenau, the "Birch Wood," underwent continuous expansion from autumn 1941 until the suspension of the extermination effort in November 1944.
As a "Special Treatment" facility, it had a planned capacity of 200,000 prisoners. Had Nazi Germany won the war, evidence presented at the War Crimes Trials revealed that it was destined to be the extermination center for the Czech and Polish nations.' The camp contained more than 250 barrack blocks subdivided into sections and some 95 support buildings. Four large gas chambers and crematoria were constructed here in 1943.
Photo Evidence: A 7X enlargement of the 26 June 1944 imagery reveals the camp layout in considerable detail (Photo 3). The rail spur and debarkation point near Gas Chambers I and II are complete. A rail transport is present within Birkenau. The site of the four gas chambers and crematoria can be identified. The locations of the various Birkenau sub-camps, e.g., the "Gypsy Camp," the "Women's Camp," could also be traced.
Expansion of the facility into Section III is under way. The SS Headquarters and Barracks complex is seen east of the camp. The security arrangements can be traced in considerable detail. Several indications of extermination activities can be identified in the camp. Smoke can be seen near the camp's main filtration facility.
While this is to be expected near the camp crematoria, where bodies had to be burned in open pits during the hectic days of the Hungarian Jewish influx, it is a surprise to see it here. There are a number of ground traces near Gas Chambers and Crematoria IV and V which could also be connected with extermination activities. Ground scarring appears to the rear of Gas Chamber and Crematoria IV and is very noticeable to the immediate north and west of Gas Chamber and Crematorium V.
These features correlate with eyewitness accounts of pits dug near these facilities; they were no longer present on coverage of 26 July and 13 September 1944. The small scale of the imagery, however, prevents more detailed and conclusive interpretations In portions of the imagery not shown in Photo 3, activity in the rail yards, the layout of the surrounding countryside, to include several of the Polish villages forcibly evacuated when the Nazis established Auschwitz, and the marshes south of the camp used for human ash disposal can be identified. Imagery acquired on 26 July 1944 added little new information to the study.
The first evidence of Allied bombing at the I. G. Farben complex and a very large transport of prisoners in Birkenau could be identified. While an overall view of the complex was obtained, the exceptionally small scale of the imagery precluded detailed interpretation.Aerial Reconnaissance Imagery of Auschwitz
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